In meinen Beratungen erlebe ich immer wieder ähnliche Situationen. Z.B. immer dann, wenn mehrere Generationen eines Familienunternehmen an einem Tisch sitzen.

Diese Konstellation ist quasi die Champions League in der Beratung. Dazu brauche ich gar nicht viel zu sagen – der praxiserprobte Familienunternehmer weiß sofort, was ich meine.

Daher war ich im Netz auf der Suche nach weiteren Informationen. Stichwort: Nachfolgeproblematik. Mir fiel der ASU wieder ein. ASU stand früher für die Arbeitsgemeinschaft Selbstständiger Unternehmer. Der ASU hat wohl den Namen gewechselt. Heute heißt die Vereinigung ASU – die Familienunternehmer. Ich kannte den ASU, da ich während meiner Unternehmertätigkeit beim BJU – Bund junger Unternehmer Mitglied war.

Ich erhielt immer wieder Informationsmaterial über das Training als Nachfolger im Familienunternehmen. Es ging darum, den Nachwuchs fit zu machen für die Übernahme des Familienunternehmens. Das hielt ich damals für sehr sinnvoll. Heute, mit der Erfahrung als Berater, stelle ich mir allerdings eine ganz andere Frage.

Wer bereitet den Senior in einem Familienunternehmen auf die Nachfolge vor?

Welche Beratung bietet z.B. die ASU für die Familienunternehmer an?

Daher habe ich auf der Internetseite des ASU – die Familienunternehmer nachgesehen. Wenn einer damit Erfahrung hat, dann doch die Familienunternehmer. Leider Fehlanzeige. Keinerlei Informationen hierzu auf der ASU Seite.

Es gibt beim ASU wohl einen Club der jungen Nachfolger – aber noch keinen Club der Senioren

In meiner Beratungspraxis erlebe ich jedoch immer wieder, dass die Senioren einen erheblichen Anteil am weiteren Erfolg und Fortbestand des Unternehmens haben. Auch bei ihnen gilt, was den Führungskräften immer wieder beigebracht wird: Verantwortung abgeben, Vertrauen delegieren und akzeptieren, dass Mitarbeiter Fehler machen, also auch die Nachfolger.

In der Praxis wird jedoch über mehrere Ebenen reindelegiert, sich immer wieder eingemischt und oftmals wird der/die Junior/in vor versammelter Mannschaft bloßgestellt. Also deutlich gemacht, dass man zwar den gleichen Namen, aber nur einer das Kommando hat. Das Signal für die Mitarbeiter: Wenn es hart auf hart kommt, müssen wir uns an den Senior wenden.

Die Sorgen des Seniors in solchen Situationen sind allesamt verständlich:

  • Soll jetzt alles falsch gewesen sein, wie es bisher gemacht wurde?
  • Was fange ich nun an mit meiner Zeit?
  • Welche Aufgaben suche ich mir nun im Leben?
  • Der gegangene Weg war doch erfolgreich für das Familienunternehmen, warum nicht weiter so?

Und natürlich war der Weg bisher erfolgreich. Sonst würde sich die Frage der Übergabe des Familienunternehmens gar nicht stellen. Aber es führen viele Wege nach Rom.

Daher denke ich, die Familienunternehmer wären gut beraten, sich über ihre eigene Rolle an der erfolgreichen Nachfolgeregelung klar zu werden. In der Presse lesen wir immer wieder von sehr namhaften, erfolgreichen Familienunternehmen, bei denen die Übergabe leider nicht funktioniert.

Marc Schmidt