oder : Brauchen wir gesetzliche Regelung zur Erreichbarkeit?

Nach den Betriebsräten fordern nun auch Politiker: Die 24-Stunden-Erreichbarkeit muss weg, gilt sie doch als wesentlicher Auslöser für psychischen Stress.

Da ist leider was dran: Wer das Smartphone bis zum Nachttisch mit sich trägt, erliegt der Versuchung, sich vor dem Schlafengehen ein symbolisches „Alles in Ordnung“ in Form eines überschaubaren Posteingangs abzuholen. Doch stattdessen lädt das Smartphone fleißig E-Mails, deren Inhalt die Planung für die kommenden Tage über Bord wirft.

Ein Beispiel, warum wir alle Menschen kennen, die nicht gut schlafen.

Die 24-Stunden-Erreichbarkeit hat nämlich einen ganz großen Haken. Sie entspringt einem Arbeitsalltag, in dem nicht rund um die Uhr Entscheidungen getroffen werden. Was tun? An der zeitlichen Schraube drehen wie es von Seiten der Politik gefordert wird und ab spätestens 20 Uhr alle Handys zwangsausschalten? Smartphones, E-Mails und Social Media ermöglichen nun mal eine Kommunikation ohne Wenn und Aber. Was ihnen (und uns) fehlt, ist ein qualitativer Filter.

In meinen Trainings beobachte ich, dass sich die permanente Erreichbarkeit unterschiedlich auf Unternehmer und Mitarbeiter auswirkt. Sie macht denjenigen den Arbeitsalltag leichter, die ein Problem damit haben, rechtzeitig Dinge zu organisieren und Entscheidungen zu treffen. Auch Menschen, die Aufgaben an Mitarbeiter delegieren können, sehen in der Erreichbarkeit weniger Negatives. Anders hingegen Berufsgruppen, die im Dienstleistungssektor arbeiten wie z. B. Berater in Werbeagenturen. Hoch konzentriertes Arbeiten? Nur vor 8 und nach 18 Uhr, da ja ‚zwischendurch’ ständig Outlook aufpoppt oder das Handy klingelt.

Der technische Fortschritt ist eben schneller als unsere Fähigkeit, sich darauf einzustellen. Deshalb müssen wir schleunigst nachziehen. Jeder kann die Situation für sich verbessern. Wie viele cc Mails bekomme ich von meinen Kollegen und Mitarbeitern, weil ich zuvor kritisiert habe, nicht informiert worden zu sein? Landen delegierte Aufgaben nach jedem Teilschritt immer wieder in meinem Posteingang? Meine Kunden sind immer wieder erstaunt, wie viele unnötige Mails wir bereits nach einem halben Trainingstag dauerhaft eliminieren können.

Ich habe für mich entschieden, geschäftliche E-Mails nicht mehr auf mein Smartphone zu „pushen“. Wenn es wirklich dringend ist, kann man mich – Achtung: old school – anrufen. Und wenn es brennt, ruft man sowieso die Feuerwehr. Die können das besser.